Eine Tasche mit Kleinwerkzeug zum Umschnallen? Warum sollte man das wollen, schließlich liegen genug Werkzeuge auf dem Feuerwehrauto oder auf der Werkzeugablage? Einfach weil es den Einsatzablauf verbessert, die Werkzeuge sofort zum Einsatz bringen zu können.

Ein Beispiel sind die Kabelstränge, die in die Türen gehen und die etwa bei einer großen Seitenöffnung durchtrennt werden müssen. Der Kraft-Seitenschneider ist dann schnell zur Hand, während die hydraulische Schere nach dem zurückliegenden Schnitt noch wieder auffährt. Auch eine nach vor geklappte Tür oder das geöffnete Dach müssen irgendwie befestigt werden. Gut, wenn dann ein handlicher Ratschengurt parat liegt.

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Aufbau

Low-Budget: Ein VU-Holster Marke Eigenbau.

Low-Budget: Ein VU-Holster Marke Eigenbau.

Grundlage für das VU-Holster Marke Eigenbau ist bei mir eine Werkzeugtasche von Lux Tools (OBI), die ich von einer befreundeten Sattlerin mit breiten Gummibändern bestücken lassen habe. Für den Fall, dass jemand ähnliches plant: Es sei einfacher, eine Tasche neu zu nähen, als diese nachzurüsten, meinte sie. Der Grund ist, dass die Gummibänder nur schwer in die fertige Tasche zu nähen sind. Eine halbfertige könnte man aber bestücken und dann erst außen zusammennähen. Den Gürtel habe ich mit Reflexstreifen benäht. So sieht es nicht nur nach Feuerwehrgerät aus, sondern man findet die Tasche auch im Dunkeln.

Natürlich gibt es auch eine große Auswahl an kommerziellen Angeboten. Am besten hat mir davon bisher das THL01 Crash Rescue Toolbag gefallen. Das ist zwar nicht für das Tragen am Körper gedacht, aber erfüllt den gleichen Zweck. Der Shop auf fwnetz.de scheint aber nicht mehr zu funktionieren. Schade. Alternativen und auch ursprüngliches Vorbild meiner Tasche ist das Holster Osnabrück von rescue-tec. Allerdings habe ich einige Sonderwünsche, die ich mit dem Holster vermutlich nicht hätte umsetzen können. Günstiger wären allerdings beide Alternativ-Modelle.

Funktionen

DIe meisten Teile sind einfach zu bekommen.

DIe meisten Teile sind einfach zu bekommen.

Die Ausstattung ist darauf abgestimmt, kleine Arbeiten bei einem Verkehrsunfall sofort zu erledigen. Entsprechend vielfältig und doch einfach ist die Ausstattung.

Ratschengurt: Weit verbreitet, gerade bei der Rescue Challenge, ist die Rope Ratchet. Sie ist sehr schnell einsatzbereit und hat einen großen Arbeitsbereich.

Ich persönlich mag es aber lieber aufgeräumter und favorisiere daher einen aufrollbaren Ratschengurt, der auf die benötigte Länge ausgezogen wird.

VDE-Kraftseitenschneider: Ein Kabelstrang in die Tür kommt schnell auf mehrere Drähte. Mit dem langen Hebel sind die mit einem Schnitt durchtrennt. VDE-geprüft, also vom Verband der Deutschen Elektroindustrie zertifiziert, sollte er außerdem sein. Im Notfall ist dann auch schnell das Batteriekabel durch.

Bandschlinge: Bauteile befestigen oder Pedale mit dem Hebel der Tür seitwärts ziehen – die Bandschlinge oder Endlosschlaufe leistet nicht nur bei Brandeinsätzen gute Dienste.

SAN-Schere: Es ist nicht das teure Teil, das für 50+ Euro bei diversen Feuerwehrhändlern verkauft wird. Aber das Blechteil (okay, ist Edelstahl) schneidet für einen knappen Zehner auch eine Motorradkombi – allerdings nur einmal. Auch Sicherheitsgurte direkt am Körper des Patienten lassen sich damit problemlos durchtrennen.

Cuttermesser: “Alles Plastik muss raus” – mit diesem Kultspruch hämmert Gary Klaus bei den Rescue Days den Teilnehmern regelmäßig ein, dass der Innenraum eines Fahrzeugs möglichst gut einsehbar sein muss. Mit dem Cuttermesser sind auch Dachhimmel und Teile der Sitze sowie des Fußbodens schnell entfernt. Das Messer sollte so einfach wie möglich sein, dann klemmt auch nichts. Am besten nur eine Klinge – die wechselt man an der Einsatzstelle ohnehin nicht.

Softball: Im Bereich von sich bewegenden Teilen sollte sich niemand aufhalten. Mit dem Softball unter dem Türgriff springt das Schloss auf, sobald genug Druck aufgebaut wird und niemand muss mit seiner Hand in den Griff fassen. Je nach Beschaffenheit des Griff klappt das von innen besser als von außen.

Federkörner: Das Entglasen der Scheiben ist mit dem selbstschlagenden Körner schnell erledigt. Er ist aussen an der Tasche befestigt und mit einem Gummiband an einem Karabiner festgemacht, so dass er schnell greifbar und wieder verstaut ist. Ein Freund hat mir in die Kappe ein Loch gebohrt und eine Öse festgeschraubt.

Markierstift: Mit den Markierstiften (aktuell gelb und rot) werden die Stellen für Schnitte und Öffnungen markiert, wenn der Innenraum entsprechend erkundet wurde. Sie schreiben auf Metall, Lack, Glas und Holz, auch bei Nässe. Außerdem lässt sich damit der Status des Patienten dokumentieren. Weber Rescue bietet dafür das s’Stiftle an – das ist jedoch nichts anderes als ein beklebter Edding 950 Industy Painter. Und der ist sogar noch günstiger.

Hebelwerkzeug: Das Stanley Präzisionseisen ist bei uns in der Gegend nicht einfach zu bekommen. Ich wollte es vor dem Kauf gerne mal in die Hand nehmen, um die Länge abschätzen zu können. Im Internet ist es allerdings einfach zu bekommen. Ich habe die 20-cm-Variante, würde aber zur 25er-Variante raten, weil der Hebel größer ist. Das Eisen gibt es auch mit einer schmalen Schaufel, die breite ist aber besser geeignet, um die Innenverkleidung zu lösen.

Schraubenschlüssel 10/13: Mit dem Doppelmaulschlüssel, der seit kurzem die beiden einzelnen ersetzt, lassen sich sowohl verschiedene Pkw- als auch Lkw-Batterien abklemmen. Eigentlich sind das Größen, die sogar relativ häufig vorkommen.

Maßband: Auf dem Maßband habe ich die geschlossenen und offenen Maße der Zylinder und Spreizer mit Mini-Etiketten markiert. So kann ich vor dem aufwändigen Auf- und Zufahren der hydraulischen Geräte schnell überprüfen, welche Größe ich einsetzen muss.

 

Je nach Ausstattung der Ortsfeuerwehr sind einige Werkzeuge möglicherweise bereits vorhanden. Dann sollte die Tasche natürlich angepasst werden. Gibt es in Deiner Ortsfeuerwehr bereits eine solche Tasche oder ein ähnliches Konzept?