AlarmfahrtFeuerwehr ist kein Hobby, es ist eine Berufung – so heißt es immer wieder, wenn das Gespräch (vor allem mit Nicht-Feuerwehrleuten) auf die eigene Freizeitbeschäftigung kommt. Nicht selten fallen dann auch Bemerkungen wie “Dann löscht mal schön euren Durst” oder “Feierwehr, ja, kenn ich”. Für unser Bild in der Öffentlichkeit aber auch unser Selbstbild ist das tragisch. Wie schwierig es dennoch ist, im örtlichen Umfeld den Heiligenschein einer kommunalen Einrichtung zu wahren und das die Feuerwehr gleichzeitig vielleicht doch ein Verein wie jeder andere ist, beschreibt der Kamerad Sebastian Burgmann in einem Gastbeitrag. Vielen Dank dafür und auch für Deine Wertschätzung dieses Blogs.

Die Freiwillige Feuerwehr zwischen Verein und Institution – von Sebastian Burgmann

Wie überrascht wären Sie, wenn der Märklin-Fanclub plötzlich den Bahnbetrieb in Deutschland übernehmen würde oder der Kleingartenverein für die Stadtbegrünung zuständig wäre? Ich wäre es, und das, obwohl ich schon seit über zwanzig Jahren in der Freiwilligen Feuerwehr bin. Genau das findet aber bei der Freiwilligen Feuerwehr statt: Ein Verein übernimmt im Auftrag des Staates öffentliche Aufgaben. Die Freiwillige Feuerwehr eines Ortes ist nämlich in ihren Grundsätzen ein Verein, nicht anders als Taubenzüchter oder Briefmarkensammler, die sich zu der deutschesten aller menschlichen Verbindungen zusammengefunden haben, dem Verein.

Der Sinn eines Vereines ist es, Menschen mit gleichen Interessen zu vereinen, damit sie gemeinsam ihrem Hobby nachgehen können. Besonders in ländlichen Gebieten ist diese integrative Aufgabe elementar für den Zusammenhalt der Dorfgemeinschaft. Neben der Schaffung eines Gemeinschaftsgefühls für Menschen mit gleichen Neigungen dienen die Vereine auch als gesellschaftlicher Motor für ein Dorf.

Sie organisieren Zierfischbörsen, Tanzabende, Skatturniere, Schützenfeste oder Laternenumzüge und bringen damit auch die Einwohner eines Ortes zusammen, die sich selber nicht in einem Verein befinden. Vereine sind der Klebstoff für das Mosaik des Dorflebens. Auch die Freiwillige Feuerwehr ist in diesem Sinne ein Verein. Oft kümmern sich Feuerwehren um die Ausrichtung des Osterfeuers, was aufgrund der Materie schon sehr naheliegend ist. Auch andere Feste oder Feiern werden von Feuerwehren oder ihren Fördervereinen, die für Außenstehende nicht von der Feuerwehr selber zu unterscheiden sind, organisiert.

Verein mit besonderen Aufgaben

Feuerwehren sind oft in das Dorfleben integriert, manchmal gar dessen Mittelpunkt. Foto: Cassel/stederdorf.de

Feuerwehr ist aber mehr als ein Verein. Ein Dackelzüchter geht nach dem Clubabend nach Hause und hat bis zur nächsten Sitzung Ruhe. Ein Feuerwehrmann kann das nicht für sich behaupten, wenn er mitten in der Nacht alarmiert wird. Er muss dann nämlich eine hoheitliche Aufgabe erfüllen, ein Auftrag, der im Kraft seiner Vereinsmitgliedschaft vom Staat mitgegeben wurde: Retten, Schützen. Löschen, Bergen. Die Bevölkerung und besonders der Hilfesuchende erwartet im Einsatzfall natürlich ein professionelles Verhalten.

Als Institution nimmt die Feuerwehr zum Teil lebensrettende Aufgaben wahr, Aufgaben, deren Erfüllung intensives Training und einen gewissen Grad der Professionalisierung benötigen. Damit befindet sich der Feuerwehrmann in einer Zwickmühle: Auf der einen Seite soll er beim Vereinsfest, gerne auch unter Zurhilfenahme von Alkohol, das Dorfleben voranbringen. Auf der anderen Seite soll er eine komplexe technische Rettung an einem PKW mit hochfestem Stahl und nicht ausgelösten Airbags durchführen.

Eine Ortsfeuerwehr muss sich irgendwo zwischen Verein und Institution positionieren. Dabei halte ich es für elementar, dass die Mitgliedschaft in der Feuerwehr sinnstiftend ist. Neben der feuerwehrtechnischen Ausbildung, die jederzeit über den Tätigkeiten als Verein stehen muss, kann eine kleine Ortsfeuerwehr, die im Jahr vielleicht auf zwei Einsätze kommt, viel eher Aufgaben in der Dorfgemeinschaft übernehmen als eine Schwerpunktwehr mit 200 Einsätzen.

Mehr Verein oder eher Institution

Hier kommt auch die Größe des Ortes zum Tragen. In einem Dorf, in dem die Feuerwehrmitglieder bekannt sind, weil man sich sowieso untereinander kennt, ist die Vereinstätigkeit eine Freiwilligen Feuerwehr sozialer Kitt. In einer Stadt, in der eine Freiwillige Feuerwehr als Dienstleister mit anonymer Mitgliederstruktur wahrgenommen wird, kann der Vereinsaspekt die Institution nicht überwiegen.

Ein Osterfeuer, das durch eine Schwerpunktfeuerwehr getragen wird, ist eine aussterbene Veranstaltung. Es sind nicht nur dichtere Regularien und steigende Anforderungen (durchaus berechtigt) an die Hygiene, die es für eine Feuerwehr fast unmöglich machen, solche Veranstaltungen auszurichten, wenn sich niemand darauf spezialisiert. Es ist auch ein Gefühl des Zuviels, wenn zu 150 Einsätzen, 100 Ausbildungs- und 40 Jugendfeuerwehrdiensten auch noch Veranstaltungen in der Größe eines Osterfeuers hinzukommen.

Trotz aller Vorteile des Vereinslebens: Eine volle Kameradschaftskasse und sozialer Zusammenhalt im Dorf dürfen nicht den Blick auf die eigentliche Aufgabe der Feuerwehr verstellen. Wir sind eine Institution mit der Aufgabe zu helfen. Wenn dieser Fokus verloren geht und die Freiwillige Feuerwehr nur als “Feierwehr” tätig ist, dann ist im Ernstfall schnell das Vertrauen der Bevölkerung verspielt. Die Institution muss immer über dem Verein stehen, weil die Feuerwehr sonst keine Existenzberechtigung hat.