Ich habe mit einem Kameraden über Erste-Hilfe-Ausbildung in der Feuerwehr gesprochen.
Mein Standpunkt: Absolut notwendig.
Sein Standpunkt: Was sollen wir denn noch alles machen? Bzw.: Es haben doch alle einen beim Führerschein/beim Eintritt gemacht.

Diese Einstellung halte ich für gefährlich. Schließlich sagt ein Zertifikat von vor 5/10/20 Jahren nichts über den aktuellen Kenntnisstand aus. Ganz abgesehen davon, schreibt auch die Feuerwehrunfallkasse (FUK) eine Aus- und Fortbildung in diesem Bereich vor.

In unserem Ausrückbereich kommt es immer wieder vor, dass im Einsatzfall kein Rettungswagen vor Ort ist. Wenn alles gut läuft, stehen sie an fünf Standorten. Wenn es schlecht läuft, sind nur zwei RTWs verfügbar, die zu einem Feuer als Sicherung mitfahren können, bzw. stattdessen ihre eigenen Einsätze abarbeiten müssen. Schon aus Eigennutz halte ich daher eine fortwährende Unterweisung von Feuerwehrleuten für sinnvoll. Wer verknackst sich schon gerne den Knöchel oder bekommt Schwindel unter Atemschutz, wenn er weiß, dass kompetente Hilfe etwas dauern wird? Da freut man sich doch, wenn die Kameraden um einen herum beim letzten Erste-Hilfe-Dienst aufgepasst haben.

Rettungswagen von innen mit Praktikantenjacke

Viele Rettungsdienste ermöglichen Feuerwehrleuten ein Praktikum als Dritter Mann auf einem RTW. Schon wenige Schichten können den Horizont beträchtlich erweitern.

Außerdem habe ich die Vorzüge einer Ersten-Hilfe-Ausbildungsgruppe bereits kennengelernt. Die Anknüpfungspunkte an Atemschutznotfälle, schockige Passanten und Unfallopfer sind zahlreich. Meiner Erfahrung nach beruhigt nur wenig aufgeregte Patienten besser als ein Feuerwehrmann, der ganz ruhig den Blutdruck misst und insgesamt den Anschein macht: “Da passiert was. Mir wird geholfen.”
Richtig wichtig wird die Ausbildung aber, wenn Rettung und Versorgung nicht nacheinander passieren, sondern zeitgleich. Etwa beim Verkehrsunfall oder sonstiger Unfallrettung. Dann steht natürlich das Wohl des Patienten – also seine Vitalzeichen und sein allgemeiner Zustand – im Vordergrund. Heißt: Rettungsdienst muss dicht ran. Was hat man beim Verkehrsunfall aber in der Regel nicht? Richtig, Platz um den Patienten. Die wenigen Lücken, die eine Sicht oder sogar physischen Kontakt erlauben, sollten also mit Profis belegt werden. Das wird in der Regel ein Rettungsassistent oder ähnliches sein. (Habe allerdings noch keinen Notarzt ins Auto klettern sehen.)
Die Rettungsdienstler haben aber ein Problem. Sie haben meistens keine Ahnung von der technischen Rettung. Warum auch, die ist schließlich Aufgabe der Feuerwehr. Für eine ordentliche Rettung kann man aber nicht nur außen vor dem Fahrzeug stehen, sondern muss genau sehen und beurteilen können, wie sich das Material verhält und was potenziell gefährlich für den Patienten werden könnte. Zum Beispiel das eintauchende Sägeblatt einer Säbelsäge im Fahrzeugdach.
Wäre doch praktisch, wenn jetzt ein Feuerwehrmann beides könnte, dem Notarzt/Rettungsdienst zuarbeiten könnte und im Auto nicht bloß schick aussehen würde.

Die Ausbildung in einigen Feuerwehren der Umgebung übernehmen oft Rettungsdienstler, die in mehreren Organisationen tätig sind. Ich empfinde es aber auch als angenehm, wenn sich der Ausbilder vollständig auf sein Fachgebiet konzentriert und die Rückschlüsse auf den Einsatzalltag bei der Feuerwehr den Feuerwehrleuten überlässt. So vertieft sich das Gelernte gleich besser und wird hoffentlich in den richtigen Situationen zum Einsatz kommen. In unserer Region sind immer mehr Wehren mit einem Rettungsrucksack ausgestattet. Abgesehen von einem Ampularium haben die schon viel zu bieten, was die erweiterte Erste-Hilfe bzw. der Notfalleinsatz fordern. Zu wissen, was in diesem Rucksack alles drin ist und wie es eingesetzt wird, sollte auf jeden Fall Teil der Ausbildung sein. (sobald Bilder des Rucksacks vorhanden sind, werde ich sie hier nachreichen)

Wie lässt sich so eine Ausbildung aber nun etablieren? Am besten bei den Leuten, die noch nicht damit abgeschlossen haben, dass in der Feuerwehr eben keine Rettungsdiensthandgriffe beigebracht werden. Schnappt euch eine kleine Gruppe von Heissdüsen oder Anwärtern aus der Jugendfeuerwehr und dazu einen lokalen (Lehr-)Rettungsassistenten und los gehts. Ein gemeinsames Dienstdatum ist sicher schnell gefunden (beispielsweise mit einer Intensivausbildung an einem Samstag – dazu aber an anderer Stelle mehr). Dann erarbeitet ihr eine Reihe von Themen, die ihr gerne besprechen wollt.

Als thematische Anregung für die medizinische Ausbildung seien das Notfall-Taschenbuch aus dem Stumpf+Kossendey-Verlag und ABC – Die Beurteilung von Notfallpatienten; Urban & Fischer empfohlen. Praktische Anregungen gibt auch das Team von Feuerwehrleben.de in seinem Blog und eine Reihe zum entlanghangeln in den Dienststunden kommt vom Deutschen Feuerwehrverband.